Verantwortung entlang der Beschaffungskette

Von unseren Lieferanten und Vertragspartnern erwarten wir, dass ihr Verhalten unseren unternehmensethischen Werten entspricht. Grundlage hierfür sind unsere konzernweit gültigen Einkaufsstandards sowie die bereits 1997 formulierten Standards für Sicherheit, Gesundheit und Umwelt, durch die wir uns schon früh zu unserer Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette bekannt haben. Daher berücksichtigen wir bei der Auswahl und Entwicklung unserer Lieferanten und Vertragspartner deren Leistung in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften.

Weltweite Beschaffungsmärkte

Unsere Lieferantenbasis umfasst derzeit Lieferanten und Vertragspartner aus rund 125 Ländern. Rund 75 Prozent unserer Einkäufe tätigen wir in Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Wir erschließen jedoch verstärkt Beschaffungsmärkte außerhalb der OECD-Mitgliedsstaaten. Unsere Anforderungen gegenüber Lieferanten aus diesen Ländern sind dabei dieselben. Unsere Lieferanten bewerten wir in einem ganzheitlichen Prozess, der neben kommerziellen und operativen Kennzahlen auch die Ergebnisse und Risiken im Bereich Nachhaltigkeit umfasst.

Lieferanten-Code

Der industrieübergreifende Code of Conduct des deutschen Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) ist unser weltweit gültiger Lieferanten-Code. Henkel hat sich bereits 2009 der BME-Initiative angeschlossen, da diese auf den zehn Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen basiert und somit eine internationale Anwendung ermöglicht. Der BME-Code dient als Grundlage der vertraglichen Beziehung mit unseren strategischen Lieferanten. Das heißt, diese haben entweder den branchenübergreifenden Code des BME – und damit die Prinzipien des Global Compact – anerkannt oder einen eigenen, vergleichbaren Verhaltenskodex vorgewiesen.

„Responsible Supply Chain Process“

Im Rahmen unserer neuen Nachhaltigkeitsstrategie „mit weniger Ressourcen mehr erreichen“ haben wir einen überarbeiteten, fünfstufigen „Responsible Supply Chain Process“ eingeführt. Im Fokus stehen zwei wesentliche Herausforderungen: zum einen die Einhaltung unserer definierten Nachhaltigkeitsstandards durch alle Lieferanten (Schritte 1 bis 3). Zum anderen wollen wir durch gezielte Zusammenarbeit mit unseren strategischen Lieferanten einen Beitrag zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in der Lieferkette leisten – zum Beispiel durch Wissenstransfer und Fortbildung in Bezug auf Prozessoptimierung, Ressourceneffizienz sowie Umwelt- und Sozialstandards (Schritte 4 und 5).

„Durch die gezielte Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten wollen wir einen Beitrag zur Verbesserung der Nachhaltigkeitsstandards in unserer Lieferkette leisten.“

Bild Karl-Heinz Ott
Karl-Heinz Ott
im Einkauf global zuständig für das Thema Nachhaltigkeit.
Logo BME

Henkel ist Unterzeichner des industrieübergreifenden Code of Conduct des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Deutschland.
www.bme.de

„Responsible Supply Chain Process“

Grafik „Responsible Supply Chain Process“

Schritt 1: Risikobewertung

Henkel hat 2011 sein Frühwarnsystem für Nachhaltigkeitsrisiken auf den globalen Beschaffungsmärkten weiterentwickelt. Zunächst schätzen wir das Risikopotenzial eines Markts beziehungsweise einer Region ein. Hierbei legen wir den Fokus auf von internationalen Fachinstituten festgelegte Risikoländer. Die Bewertung umfasst die Kriterien „Menschenrechte“, „Korruption“ und „gesetzliches Umfeld“. Hinzu kommt die Bewertung einer zweiten Dimension: der Risikowertschöpfungsketten. Dies sind für uns Industrien und Branchen, die potenziell ein spezifisches Risiko für unser Unternehmen darstellen. Durch die Verknüpfung von Risikoländern mit den sogenannten Hot Topics, also Themen mit besonderer Brisanz, hat Henkel seine risikoreichsten Beschaffungsmärkte definiert und entsprechende Maßnahmen eingeleitet.

Schritt 2: Selbstbewertung

Wir verfolgen weiterhin die Strategie der Selbstbewertung unserer Lieferanten auf Basis von Fragebögen. Diese unterstreichen unsere Anforderungen in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit, Umwelt, Qualität, Menschenrechte, Mitarbeiterstandards und Anti-Korruption. 2011 lag der Schwerpunkt auf der erneuten Bewertung strategisch wichtiger Lieferanten – zum Beispiel für Schlüsselrohstoffe und Verpackungen, Telekommunikation und technische Materialien.

Schritt 3: Analyse

Auf Basis von Risiko- und Selbstbewertung wird eine Einstufung der Lieferanten nach dem Ampelsystem durchgeführt. Bei „Rot“ (non-compliant) kommt es kurzfristig zu einer Aufhebung des Lieferantenverhältnisses. Bei „Gelb“ wird der Verbesserungsbedarf identifiziert, und die betreffenden Lieferanten werden auditiert.

Schritt 4: Audit

Der systematische Ausbau des Auditprogramms für Lieferanten ist der Schwerpunkt unserer Arbeit in den kommenden Jahren. Hierzu engagieren wir uns auch in branchenübergreifenden Initiativen, um Transparenz und Effizienz von Lieferanten-Auditierungen zu verbessern und unternehmensübergreifende Standards mitzugestalten – zum Beispiel durch den besseren Austausch bereits bestehender Auditergebnisse.

Schritt 5: Entwicklung

Durch gezielte Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten leisten wir Beiträge zur Verbesserung von Nachhaltigkeitsstandards in der Lieferkette – beispielsweise durch Schulungen und gemeinsame Projekte hinsichtlich Prozessoptimierungen, Ressourceneffizienz oder Umwelt- und Sozialstandards. In einem Pilotprojekt haben wir begonnen, strategische Rohstoff-Lieferanten in die Erfassung relevanter Umweltdaten einzubeziehen. Indem wir unser Wissen bezüglich Datenmessung und  -qualität teilen, wollen wir langfristig die Datenbasis entlang unserer Wertschöpfungsketten verbessern.

Insgesamt erfüllten 2011 die bewerteten strategischen Lieferanten und Vertragspartner unsere geschäftsethischen Ansprüche. In zwei Fällen beendeten wir das Lieferantenverhältnis, einmal aufgrund unzureichender Umweltstandards und einmal aufgrund sozialethischer Verstöße.

Frühwarnsystem für Risikomärkte

Ein Beispiel für einen Risikomarkt ist die Beschaffung der Rohstoffe für Lötpasten und andere Lötmaterialien für die Elektronikindustrie. Sie enthalten Metalle zur Erzeugung ihrer elektrischen Leitfähigkeit – hauptsächlich Silber, Kupfer und Zinn. In einigen Ländern wird der Abbau von Kassiterit, dem wesentlichen Ausgangsmineral für die Gewinnung von Zinn, mit militärischen Konflikten und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht. 2011 haben wir unsere direkten Lieferanten für Metalle erneut untersucht und aufgefordert, mit entsprechender Dokumentation nachzuweisen, dass sie keine Metalle aus kritischen Regionen kaufen oder verarbeiten. In den USA und anderen Ländern arbeiten wir eng mit den Verbänden der Elektronikindustrie zusammen, um einen offiziellen Auditprozess für Metalllieferanten zu definieren.

Ein weiteres Beispiel ist die Beschaffung von Werbeartikeln, die häufig von Drittanbietern in Niedriglohnländern gefertigt werden. Um auch hier die Einhaltung unserer Nachhaltigkeitsstandards sicherzustellen, analysieren wir bereits im Vorfeld der Auftragsvergabe die Profile unserer Lieferanten in diesem Bereich.

Letzte Aktualisierung: 8. März 2012