Unser Beitrag zu einer nachhaltigen Palmölwirtschaft

Zu unserem Verständnis von nachhaltigem und gesellschaftlich verantwortlichem Wirtschaften zählen auch eine nachhaltige Rohstoffwirtschaft und der Schutz der natürlichen Ressourcen. Besonders beim Einsatz nachwachsender Rohstoffe wie zum Beispiel Palmöl müssen nicht nur die wirtschaftlichen, sondern insbesondere auch die ökologischen und sozialen Auswirkungen genau betrachtet werden. Unsere Vision ist es, dass in Zukunft – wann immer Palm- und Palmkernöl in unseren Produkten eingesetzt werden – dieses Öl einer nachhaltigen Bewirtschaftung entstammt. Bereits im Jahr 2008 haben wir für unsere Reinigungsmittel-Marke Terra als weltweit erstes Unternehmen Zertifikate für nachhaltiges Palmkernöl gekauft. Darauf aufbauend planen wir derzeit die weiteren Schritte zur vollständigen Ausrichtung unseres Produktportfolios auf nachhaltiges Palm- bzw. Palmkernöl, die wir bis 2015 abschließen wollen. So erwerben wir bereits ab 2012 für unser gesamtes Produktportfolio der Wasch- und Reinigungsmittel Zertifikate für nachhaltiges Palmkernöl.

Hintergrund: Die Ölpalme und weltweite Palmölwirtschaft

Foto Palme

Die Ölpalme ist im Vergleich zu anderen Ölpflanzen sehr ertragreich, leicht anzubauen und trägt ganzjährig Früchte, weshalb sie unter den weltweit angebauten ölproduzierenden Pflanzen inzwischen an erster Stelle steht. Aus der Frucht der Ölpalme erhält man zwei Öle: Palmöl und Palmkernöl. Der Hauptanteil der weltweiten Produktion von Palmöl, maximal 90 Prozent, wird als Pflanzenfett in der Nahrungsmittelindustrie genutzt, zum Beispiel für Margarine und Süßwaren. Zudem eignet sich Palmöl auch zur Herstellung von Biokraftstoffen als Alternative zu Mineralölen .

Im Unterschied zu Palmöl wird Palmkernöl nur sehr begrenzt im Lebensmittelbereich eingesetzt. Es findet hauptsächlich Verwendung in der oleochemischen Industrie, die Palmkernöl als Ausgangsstoff für die Produktion von Tensiden (waschaktive Substanzen) für Wasch- und Reinigungsmittel sowie Kosmetikprodukte nutzt.

Während 2011 der Weltmarkt für Palmöl 50,6 Millionen Tonnen betrug, hatte der Markt für Palmkernöl lediglich ein Volumen von 5,7 Millionen Tonnen.

Einsatz von Palmkernöl bei Henkel – Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette

Foto Kokosnuss

Zur großtechnischen Produktion von Tensiden, das heißt von waschaktiven Substanzen für Wasch- und Reinigungsmittel sowie für Kosmetikprodukte, stehen bisher folgende Ausgangsstoffe zur Verfügung: Mineralöl, Erdgas, Kokosöl und das Öl der Palmkerne. Die in Mitteleuropa heimischen Pflanzen eignen sich derzeit nicht als Basis für eine großtechnische Tensidproduktion, also die Herstellung in einem industriellen Produktionsmaßstab mit Volumen von vielen tausend Tonnen. 

Es ist ein zentrales Bestreben unserer Forschung und Entwicklung, erdölbasierte Inhaltsstoffe zu ersetzen. Gründe hierfür sind die begrenzte Verfügbarkeit des Erdöls, der Klimaschutz und die ökologischen Risiken, die mit der Förderung von Erdöl einhergehen. Vor jeder Entscheidung über Inhaltsstoffe sind die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkte der jeweiligen Alternative gleichermaßen zu berücksichtigen.

Die in unseren Wasch- und Reinigungsmitteln eingesetzten Tenside bestehen zu rund 30 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen als Ausgangstoffen. Damit nehmen unsere Produkte innerhalb der Wasch- und Reinigungsmittelindustrie eine führende Rolle ein. Henkel stellt die Tenside allerdings nicht selbst her, sondern bezieht diese von seinen Rohstofflieferanten auf dem Weltmarkt. Insgesamt nutzt Henkel indirekt über seine Tensid- oder andere Rohstofflieferanten weniger als 0,2 Prozent des weltweit verfügbaren Palmkern- beziehungsweise Palmöls.

Unser Anspruch ist es, entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltig und gesellschaftlich verantwortlich zu wirtschaften. Aus diesem Grund nehmen wir die Probleme sehr ernst, die durch den Anbau von Palmölplantagen entstehen können, und setzen uns mit einer Reihe verschiedener Interessenspartner für eine nachhaltige und damit ökologisch und sozial verantwortliche Gewinnung von Palm- und Palmkernöl ein. Unsere Vision ist es, dass in Zukunft – wann immer Palm- und Palmkernöl in unseren Produkten eingesetzt wird – dieses Öl einer nachhaltigen Bewirtschaftung entstammt. Ab 2015 soll die gesamte Menge an Palm- und Palmkernöl, die als Rohstoff in unsere Produkte einfließt, vollständig durch RSPO-Zertifikate für nachhaltiges Palm(kern)öl abgedeckt sein. Um unser klares Bekenntnis zu einer nachhaltigen Palmölwirtschaft zu bekräftigen, beschleunigen wir diesen Prozess nun für den Bereich der Wasch- und Reinigungsmittel, die bedeutendste Produktkategorie beim Einsatz von Tensiden. Ab 2012 erwirbt Henkel Zertifikate für nachhaltiges Palmkernöl für sein gesamtes Produktportfolio dieses Geschäftsbereichs. Dies stellt sicher, dass für die Menge Palmkernöl, die zur Produktion von Tensiden für Wasch- und Reinigungsmittel von Henkel verwendet wird, eine entsprechende Menge nachhaltigen Palmkernöls hergestellt wird und in die Lieferkette für die Herstellung von Tensiden einfließt.

Starke Partnerschaften für nachhaltige Palmölwirtschaft

Der Anbau der Ölpalme ist in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. Nachwachsende Rohstoffe können jedoch nur dann einen Beitrag zu Nachhaltigkeitsaspekten wie dem Klimaschutz leisten, wenn die Anbaubedingungen ökologisch verträglich und sozial verantwortlich gestaltet werden. Aus diesem Grund unterstützt Henkel aktiv die Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien in der Lieferkette von Palmöl und Palmkernöl.

Um dieses Ziel gemeinsam mit Partnern zu erreichen, engagiert sich Henkel bereits seit 2003 beim so genannten „Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (Round Table on Sustainable Palm Oil, RSPO) und wurde 2008 offizielles Mitglied. Der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“ entstand auf Initiative des World Wide Fund For Nature (WWF) und interessierter Vertreter der Wirtschaft, um geeignete Wege für die nachhaltige Gewinnung von Palmöl zu finden und dem Raubbau an Regenwäldern und der Vernichtung von Feuchtgebieten, insbesondere in Indonesien, entgegenzuwirken. Dabei handelte es sich zunächst um eine informelle Kooperation zwischen einzelnen Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und dem WWF im Jahr 2002. Im August 2003 wurde der RSPO offiziell in Kuala Lumpur, Malaysia, gegründet. An diesem Treffen nahmen 200 Teilnehmer aus 16 Ländern teil – darunter auch Henkel. Heute, Anfang 2012, zählt der RSPO 570 ordentliche Mitglieder, darunter Palmölerzeuger, Konsumgüterhersteller, Einzelhändler, Banken und Investoren sowie Nichtregierungsorganisationen. Sitz der Vereinigung ist Zürich, das Sekretariat befindet sich in Kuala Lumpur. Der RSPO verfolgt das Ziel, die nachhaltige Herstellung von Palm- und Palmkernöl zu fördern. Beim 5. Runden Tisch (RT5) im Jahr 2007 wurde der Ausbau eines Zertifizierungs- und Vermarktungsmodells für Palmöl aus nachhaltigem Anbau verabschiedet. Dabei war es ein zentrales Anliegen, dass das Zertifizierungsmodell flexibel ist und die unterschiedlichen Bedingungen berücksichtigt, unter denen Palmöl gewonnen, weiter verarbeitet und gehandelt wird.

Um das Konzept einer nachhaltigen Produktion von Palmöl und Palmkernöl noch wirksamer voranzutreiben, steht Henkel über den RSPO hinaus auch mit anderen Partnern im Dialog. Im Oktober 2009 trat Henkel der „Palm Oil Coalition“ bei. In ihr sind neben weltweit tätigen Unternehmen aus der Konsumgüter- und Lebensmittelindustrie auch Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace, Oxfam, der WWF und andere vertreten. Gemeinsames Ziel ist es den Schutz der Regenwälder durchzusetzen, indem die Beschaffung von Palmöl bis zu einem festgelegten Datum vollständig zu nachhaltig bewirtschafteten Quellen verlagert wird. Darüber hinaus initiierte Henkel zusammen mit Industriepartnern, dem WWF und der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) das „Forum für Nachhaltiges Palmöl“. Ziel ist es, die Nutzung von nachhaltig erzeugtem Palm- und Palmkernöl zu fördern. Als Grundlage dienen hierbei die vom RSPO definierten Standards, die durch das Forum weiterentwickelt und ergänzt werden sollen.

Zertifizierungsmodell für Palmöl und Palmkernöl aus nachhaltigem Anbau

Da zum Beispiel die Tensidhersteller Palmöl nicht direkt beim Produzenten, sondern auf dem Weltmarkt einkaufen, hat der RSPO ein Zertifizierungsverfahren und drei verschiedene Vermarktungsmodelle für Palmöl von nachhaltig wirtschaftenden Palmölplantagen etabliert: Segregation, also die physische Trennung der Stoffströme von nachhaltigem und normalem Palmöl; die Massenbilanz, also die kontrollierte Vermischung von nachhaltigem und normalem Palmöl, sowie das „Book & Claim"-System.

Während die Segregation bei Palmöl – dem Hauptprodukt – eine direkte Nachverfolgbarkeit des Rohstoffs von der Plantage bis zum Einsatz in einem Endprodukt ermöglicht, ist dieses für die Lieferkette von den Palmkernen bis zum Tensid kurz- und mittelfristig kaum umsetzbar. Eine physische Trennung des nachhaltig erzeugten Palmkernöls von normalem Palmkernöl ist zwar möglich, erfordert aber hohe Investitionen in neue Pipelines, Transportmittel (Tankschiffe, Lkws, Eisenbahnwaggons) sowie Tanks und dementsprechend viel Zeit und Geld. Daher hat Henkel entschieden, sich auf das „Book & Claim“-System zu fokussieren. Dieses System trennt die Zertifikate für nachhaltig hergestelltes Palm- und Palmkernöl von den physischen Produktströmen. Henkel sieht in der Etablierung des „Book & Claim“-Systems für Palmkernöl großes Potenzial, bei allen beteiligten Marktteilnehmern schon kurzfristig signifikante Anreize für die nachhaltige Palmöl- und Palmkernölwirtschaft zu schaffen, so dass sich neue Märkte für nachhaltiges Palmkernöl öffnen können.

Wie funktioniert das „Book & Claim“-System?

Das „Book & Claim“-System basiert auf dem Handel mit Zertifikaten, die für eine entsprechende Menge an nachhaltig erzeugtem Palm- und Palmkernöl stehen. Die Zertifikate werden dabei getrennt von den physischen Produktströmen gehandelt. Ein bekanntes Beispiel für ein derartiges Zertifikatsystem ist der Ökostrom, der in Deutschland nach ähnlichen Kriterien gehandelt wird. Das System ist verhältnismäßig einfach: Plantagen, die den strengen Kriterien des RSPO genügen, erhalten Zertifikate für ihr nachhaltig hergestelltes Palm- und Palmkernöl. Für den Handel mit diesen Zertifikaten wurde eine spezielle Plattform gegründet, die durch die Firma GreenPalm betrieben wird (www.greenpalm.org). Die Produzenten von Palm- und Palmkernöl registrieren auf der Handelsplattform von GreenPalm, wie viel von ihrem durch RSPO-Auditoren zertifizierten Palmöl und Palmkernöl sie verkaufen wollen. Auf Basis dieser Registrierungen werden die Zertifikate dann auf dem Markt gehandelt. Käufer der Zertifikate können durch den Kauf belegen, dass eine den Zertifikaten entsprechende Menge nachhaltig hergestellten Palmöls oder Palmkernöl in die Lieferkette eingeflossen ist. Der Handel ist vollständig transparent, die erzielten Preise und verbrauchten Mengen können auf der Internetseite von GreenPalm nachvollzogen werden. Durch die Zertifikate ergeben sich auch für kleinere, nicht am internationalen Handel beteiligte Produzenten finanzielle Anreize, ihre Produktion nachhaltig zu gestalten. Henkel ist der Auffassung, dass das „Book & Claim“-System derzeit die besten Voraussetzungen für eine nachhaltige Palm- und Palmkernölwirtschaft bietet – unter der Voraussetzung, dass die Prozesse nachvollziehbar und transparent gestaltet werden. Langfristig bleibt es aber das Ziel, dass alle im Markt erhältlichen Tenside auf zertifiziertem, nachhaltigen Palmkernöl basieren.

Palmkernöl

Um das „Book & Claim“-System für nachhaltiges Palmkernöl voranzutreiben und zu etablieren, hat Henkel in Zusammenarbeit mit GreenPalm das „Book & Claim“-System von Palmöl auf Palmkernöl ausgeweitet und anschließend als weltweit erstes Unternehmen die entsprechenden Zertifikate gekauft. Damit hat Henkel im Oktober 2008 dafür gesorgt, dass erstmals aus nachhaltig angebauten Palmen gewonnenes Palmkernöl in die Lieferkette zur Herstellung von Tensiden einfließen konnte. Möglich wurde dies dadurch, dass eine erste Palmölplantage nach den RSPO-Kriterien für eine nachhaltige Palmölwirtschaft anerkannt wurde.

Externe Anerkennung

Henkels führende Rolle und der Beitrag zu einer nachhaltigen Palmölwirtschaft wird auch extern anerkannt. Der WWF hat Henkel in seiner weltweiten Palm Oil Buyers’ Scorecard im November 2011 mit der Höchstpunktzahl (neun von neun Punkten) in die Spitzengruppe eingestuft. In diesem internationalen Ranking bewertete der WWF über 130 Unternehmen, darunter 64 aus Deutschland aus der Konsumgüterindustrie und dem Handel hinsichtlich ihres Beitrags zur nachhaltigen Palmölwirtschaft.

Letzte Aktualisierung: 8. März 2012